Viele Menschen zögern aus verschiedenen Gründen die Umsetzung ihrer Geschäftsidee hinaus, obwohl eine nebenberufliche Gründung für sie eine gute Alternative wäre.

Die nebenberufliche Gründung hat eine Reihe von Vorteilen. Hinderungsgründe für eine Vollzeit-Gründung können damit komplett ausgeschaltet, bzw. erheblich minimiert werden. Wer neben seiner Angestelltentätigkeit ein eigenes Unternehmen im kleinen Rahmen aufbaut, muss sich keine Sorgen um seine finanzielle Absicherung machen. Der feste“ Job verschafft das monatliche Einkommen und gewährleistet die Abdeckung aller laufenden Kosten. Darüber hinaus bestehen weiterhin die Kranken- und Sozialversicherung über die Haupttätigkeit, so lange sich die Nebentätigkeit im kleinen Rahmen bewegt. Deren Einkünfte werden nicht zur Berechnung der Versicherungsbeiträge herangezogen.

Außerdem ermöglicht diese Art der Gründung einen größeren Spielraum, um die Tragfähigkeit der Geschäftsidee zu testen. Gibt es eine Nachfrage für mein Angebot? Hat die Nachfrage das Potenzial für eine „Vollgründung“? Wird mein Preis/Leistungsverhältnis von meinen Kunden akzeptiert? Wirft es genug Erträge ab, damit ich davon leben kann? Oder eignet es sich eher als „Zubrot“?
Ein anderer Vorteil der nebenberuflichen Gründung besteht in der zeitlichen Flexibilität, die den Rücken z.B. für die Familienarbeit freihält. Deshalb ist der Anteil von Frauen unter den nebenberuflichen Gründern besonders hoch.

 

Bin ich eine Unternehmerpersönlichkeit?

Der Sprung von der angestellten Tätigkeit in die Rolle des Unternehmers ist eine besondere Herausforderung. Sich nicht mehr nur auf einen speziellen Arbeitsbereich zu konzentrieren, sondern plötzlich für sämtliche Aufgaben Verantwortung zu tragen, ist nicht einfach zu bewältigen. Ein Gründer muss es lernen, sich permanent zu motivieren und präsent zu sein, auch wenn ihm die Tätigkeitsbereiche nicht liegen. Der Unternehmer/die Unternehmerin
● verantwortet die Kundengewinnung und die Umsatzentwicklung,
● muss so kalkulieren, dass sein Unternehmen genügend Gewinn abwirft, damit er/sie sich ein Gehalt zahlen kann
● und so besonnen wirtschaften, dass genügend Rücklagen für Forderungen z.B. vom Finanzamt gebildet werden.

Wichtig ist auch die persönliche Entwicklung des Gründers. Neben dem fachlichen Know-how braucht der Unternehmer bestimmte Eigenschaften, die ihn sein Business erfolgreicher führen lassen. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und des Instituts zur Zukunft der Arbeit hat diese Persönlichkeitsmerkmale herausgearbeitet:
Selbstständige sind in der Mehrzahl kreativer und origineller, emotional stabiler und risikobereiter als Angestellte. Sie sind überzeugt davon, “ihres Glückes Schmied“ zu sein, d.h., sie sind sich sicher, etwas bewirken zu können. Unternehmer sind sehr kommunikativ, aber nicht zu entgegenkommend und nachgiebig.
Je stärker diese Merkmale ausgeprägt sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass eine Person gründet. Auch an seinen Eigenschaften kann man arbeiten. Die Praxiserfahrungen, die in der Phase der Nebentätigkeit gesammelt werden, bedürfen auch eines selbstkritischen Blicks. Wie verhalte ich mich als Unternehmer? Gibt es Defizite, an denen ich arbeiten muss? Sollte ich Unterstützung hinzuziehen, um meine Ziele umzusetzen?

Die Nebentätigkeit kann allerdings auch dazu führen, dass kein realistisches Bild der Potenziale der Geschäftsidee entsteht. Wer sich nicht motivieren kann und stets die Sicherheit der Haupttätigkeit im Rücken hat, kniet sich möglicherweise nicht auf die notwendige Art und Weise in die Entwicklung seines Unternehmens hinein.
Andersherum besteht die Gefahr, sich mit einer Haupt- und einer Nebentätigkeit komplett zu überfordern. Wer keine Erholungspausen mehr hat, um Energie zu schöpfen, brennt aus. Auch das soziale Umfeld kann wegbrechen, wenn man sich einfach keine Zeit mehr nimmt, um seine Kontakte zu pflegen. Das geht nur über einen sehr begrenzten Zeitraum hin gut.


Wie macht man sich nebenberuflich selbstständig?

Der erste Schritt zur Nebentätigkeit ist die Gewerbeanmeldung beim Ordnungsamt. Freiberufler, wie Künstler, Therapeuten, Anwälte und Unternehmensberater, wenden sich direkt ans Finanzamt.
Gründet man ohne spezielle Unternehmensform, führt man als Gewerbetreibender ein Einzelunternehmen, mit mehreren Gründern eine GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts).
Als Kleinunternehmer kann man sich von der Mehrwertsteuer befreien lassen, wenn man weniger als € 17.500 im Jahr umsetzt. Allerdings können dann auch keine Umsatzsteuern gezogen werden, wenn man selber investiert. Das heißt, dass man wie Privatpersonen Bruttopreise zahlen muss. Nach der Gewerbeanmeldung schickt das Finanzamt ein entsprechendes Formular zu, in dem man als Unternehmensform „Kleinunternehmen“ ankreuzen kann.

Ob Umsatzsteuer ausgewiesen werden soll, kann der Unternehmer selbst entscheiden. Wer keine Umsatzsteuer einnimmt, kann aber auch keine von ihm gezahlte Umsatzsteuer geltend machen. Das lohnt sich dann, wenn hohe Geschäftsausgaben nötig sind, die sich um die gezahlte Umsatzsteuer reduzieren lassen.
Bezieher von Arbeitslosen- oder Elterngeld, Schüler, Studenten und Rentner sollten genau darauf achten, welche Einkommensgrenzen für sie gelten. Auch die Grundlage für eine Familienversicherung wird möglicherweise hinfällig, wenn ein selbstständiger Zuverdienst eine bestimmte Höhe erreicht.
Der Arbeitgeber muss über die Nebentätigkeit informiert werden, wenn sie im Wettbewerb zu seinem Unternehmen steht oder eine Überlastung hinsichtlich der Ausübung der Haupttätigkeit zu befürchten ist. Ansonsten ist es eine Frage der Abwägung, ob man eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Angestelltenverhältnis strapazieren will, wenn man die Nebentätigkeit verschweigt.

 

Nebenberuf als Ausgleich

Ich habe in meiner Tätigkeit als Gründer-Coach häufig mit Menschen zu tun, die eine Nebentätigkeit suchen, die sie mehr ausfüllt, als ihr fester Job. Es geht gar nicht so sehr um den Zuverdienst (der aber gern mitgenommen wird), sondern um den Spaß an der Arbeit und das Gefühl, selbstbestimmt etwas aufzubauen. Sie reißen ihre 40-Stunden-Woche im Büro oder in der Werkstatt ab und freuen sich auf die 10 Stunden, die sie nebenbei „für sich“ arbeiten.

Einige von ihnen haben den Sprung in die komplett selbstständige Existenz gewagt, andere fühlen sich mit dem festen Job plus Nebenerwerb wohler. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl individueller Modelle. Ein Bekannter legt sein zusätzliches Einkommen als Altersvorsorge an, weil er mit 55 in den „aktiven Ruhestand“ gehen will. Andere wollen hier und jetzt ihre Wünsche erfüllen und brauchen dazu mehr Geld, als sie im Angestelltenverhältnis verdienen. Manche Menschen machen ihr Hobby nebenberuflich zum Tätigkeitsbereich ihres Kleinunternehmens, andere nutzen ein Franchise- oder Lizenzkonzept, um ohne lange Entwicklungsphase direkt zu gründen, loszulegen und zu verdienen.

Die nebenberufliche Selbstständigkeit wird also aus völlig unterschiedlichen Gründen umgesetzt. Sie kann ein Schritt sein, um die Tragfähigkeit einer „Vollexistenz“ als Unternehmer zu testen. Sie kann eine Art umgesetzter Herzenswunsch sein, der mit Passion nebenbei betrieben wird und nicht unbedingt auf den großen Umsatz ausgerichtet ist. Oder sie dient einfach dem Zweck, das Einkommen aufzubessern. Verschiedenste Motive führen zur nebenberuflichen Gründung. Wer schon lange über die Selbstständigkeit nachdenkt, findet in ihr eine perfekte Alternative, den Schritt ohne das ganz große Risiko zu wagen.

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Mike Warmeling

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